Mit Holger habe Trient nach einer harten Etappe, 20 km auf einem asphaltierten Radweg bei 29° im Schatten erreicht.
Kennt ihr das? Ihr sitzt im Auto und fahrt auf der Autobahn und ihr seht Wanderer, die direkt neben der Autobahn herlaufen? Ich frage mich dann immer, warum tun sie das? Gibt es hier keine schöneren Wege? Jetzt weiß ich es! Pespektivwechsel auf dem Camino! Wenn der Weg, der Weg an der Autobahn ist, ist der Weg, der Weg!!!🤣
Wir suchten Schatten, wo immer wir welchen fanden. Die Weintraunen hingen tief, doch leider waren wir zu früh.
Zum Glück gibt es in Italien in öffentlichen Parks/ Spielplätzen immer einen Wasserhahn und so konnten wir unseren Durst stillen.
Trient, mit seinen Palazzos, seiner schönen Altstadt und seinem quirligen Leben hat uns bezaubert. Wir schlenderten, schauten, staunten, genossen Straßenmusik und die leckeren italienischen Pizzen.
Abends ging Holgers Flixbus zurück nach Leipzig und der Abschied fällt mir nach zwei herrlichen Wochen schwer. Ich würde am Liebsten mitfahren, weiß aber, dass ich dann unglücklich wäre. Typisch für mich sind dann meine Panikattacken. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache und ich habe das Gefühl, ich schaffe das nicht. Mein erster Versuch ein Bett zu reservieren ging nach hinten los, denn mein: No parlo italiano, wurde verstanden, aber mein Anliegen nicht. Der zweite Versuch über das Internet klappte dann, so dass ich schon zuversichtlicher bin, nicht im Freien schlafen zu müssen.
Als der Bus dann abfuhr rollten die Tränen über die Wangen und ich ging zur JH zurück und begann mit meiner abendlichen Routine. Es war eine schöne und sehr kostbare Zeit für uns. Holger hat diesmal den Urlaub als wunderschön erlebt. In Frankreich war er ja froh wieder ins Büro zu dürfen, da er so gelitten hat. Diesmal nur ein kleines Bläschen, tolle Hotelzimmer, leckeres Essen und nur zwei suboptimale Etappen ( Gewitter und Asphalt). Vielleicht klappt es ja doch noch mit uns und Jerusalem.
Nun bin ich seit drei Tagen allein unterwegs, die Sonne knallt mit 20° um 8 Uhr und die Temperaturen nehmen mit jeder Stunde zu, sodass das Thermometer bis 33° steigt. Meine App zeigt mir an, dass ich zwischen 5 und 6 Litern trinken soll! Bin ich ein Kamel? Das schaffe ich nie! Also wird das Wasser über den Kopf geschüttet und darf versickern.
Mein Problem mit der italienischen Sprache versuche ich mit Google zu kompensieren, ist aber schwierig. Ich bin so unsicher, dass ich die einfachsten Sätze verhaspel. Dazu kommt das leidige Bettproblem.
Die erste Nacht hat es noch in einer Pension, die von einer Holländerin geführt wird, geklappt. Ich bat sie für mich in einer Herberge anzurufen, die ich angemailt hatte und die nicht reagierte. Voll. Also laufe ich zur Touri-info und bitte um Hilfe. Sie wählen sich die Finger wund- nix. Ich soll loslaufen und in Borgo Valsugana zu der Kollegin gehen, sie sucht derweil.
Ich laufe und hoffe und komme an. Nichts zu machen, im Umkreis von 10km alles voll. Ich frage nach dem Kloster und sie meint, ich kann es versuchen. Ich laufe hin und die Schwester verneint, gibt mir aber eine Adresse. Also laufe ich dahin. Es gibt 6 Klingeln und ich poliere sie alle, aber niemand öffnet.
Zum Glück spricht mich ein älterer Herr an und kann deutsch, da er Österreicher ist. Er zückt sein Handy und versucht es bei verschiedenen Bekannten, die auch Pensionen haben, aber nicht über die Info laufen. Auch alle voll. Zuviele Radfahrer. So lädt er mich spontan in seinen Palazzo ein, wenn ich unkompliziert bin? Na also, ich bin sowass von unkompliziert und einfach nur glücklich ein Bett zu haben. So darf ich in einem historischen Gebäude von nationaler Wichtigkeit übernachten und verbringe einen schönen Abend mit dem Hausherren, seiner Tochter und deren internationalen Freunden. Dabei den Blick auf die "12 Spitzen" ein Bergmassiv, das weit über 2000m hoch ist. Mein Herz hüpft vor Freude! Was für ein Glück ich doch habe.
Für heute sah es genauso düster aus. In Primolano gab es auch kein Bett und im Umkreis meiner 10km auch nicht. Also habe ich ein Bett in Bassano del Grappa gebucht und bin 33km auf Asphalt in der Sonne dahingestöckelt. Gedanken gab es keine mehr, mein Kopf war recht leer und ich absolvierte die Kilometer wie eine Maschine! Klack, Schritt, klack, Schritt...die Augen aber kleben an den gigantischen Bergen und das Herz ist fröhlich, trotz der Plackerei.
Am Ende muss ich über die Hängebrücke, um zum Bahnhof zu kommen. Adrenalin pur! Jede 2. Holzschwelle erscheint lose bzw. uneben, das ganze wackelt und ich denke, es wäre ungefährlicher durch den Fluss zu waten.
Ich fahre mit dem Zug 25km vor um zu übernachten, in einem für mich zu teuren Hotel, um morgen 25km zurückzuführen, um dann zurück zu laufen....was für ein Kauderwelsch! Dass ist für mich kein Pilgergefühl! Eher: Und täglich grüßt das Murmeltier.
Ich falle unter die Dusche und aufs Bett und will nicht mehr laufen. Picknick im Zimmer ist auch toll. Morgen übernachte ich im Hostel, im Doppelzimmer und bin gespannt, wer da mit reingestopft wird. Egal, eine günstige Nacht und dann geht es weiter. Hoffentlich ohne vor und zurück.























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